Ostern in den Ötztalern 2009

Es ist Freitag, Karfreitag 5:00 morgens und wir treffen uns zu viert an der Weissach. Wie bei jeder ordentlichen Tour gibt es mindestens einen, der leider die Feier vom Vorabend nicht bis zum (bitteren) Ende miterleben durfte, sondern frühzeitig abbrechen musste, weil ja schon in einer Stunde Treffpunkt ist. Noch schnell zu hause vorbeigeschaut, die Lederhose mit der Tourenhose getauscht und anstatt der Haferlschuhe die Skischuhe angezogen. Schnell wird noch das Nötigeste in den Rucksack geworfen, wobei man auf Wechselhemd sowie Zahnbürste und Waschzeug verzichten kann, man ist ja eher der natürliche Typ.

Nach drei Stunden der dringend benötigten Erholung (bis auf den Chaffeur) kommen wir in Vent an und los gehts zur Martin-Busch-Hütte, die wir am frühen Nachmittag erreichen.

Nach ein bisschen Pause, die unser Martin gleich wieder im Schlaflager verbringt (drei Stunden im Auto sind ja wirklich nicht viel), üben wir nachmittags Spaltenbergung an der hütteneigenen Feuerleiter. Vor dem Abendessen versuche ich die Thematik noch mit Stift und Papier zu vertiefen, doch das scheitert an der allgemeinen Müdigkeit. Der Simon schaut interessiert zum Fenster hinaus, der Christoph liest Zeitung und der Martin schläft gleich am Tisch.

Karsamstag: Einigermaßen ausgeschlafen brechen wir auf zur Hinteren Schwärze. Schön sehen sie aus, die Wände in ihrem Winterkleid, der Similaun, die Marzellspitzen und die Schwärze. Angeseilt überqueren wir den langen Marzellferner, seine sommerlichen Spaltenlabyrinte lassen sich nur erahnen. Am späten Vormittag ziehen von Süden dichte Wolken über den Hauptkamm und kurz vorm Skidepot sehen wir keine 20m mehr. Alles ist weiß in weiß. Zum Skidepot geht es um einen kleinen, harten Abbruch herum, der immer steiler wird. Wir können nur auf Gefühl gehen, alle Konturen sind verschwunden. Gerade noch schwindle ich mich über den Abbruch und stehe am Depot. Dann komm Simon und promt rutscht er aus und hängt im Seil. Beunruhigend ist nur, dass er aufgrund der dichten Wolken nicht sehen kann, wie weit und wohin er fallen würde. Aber alles halb so wild, wir konnten ihn ja halten. Ohne Ski gehts dann bis zum Gipfel.

Die Abfahrt ist eine Klasse für sich, oben harter Pulver, in der Mitte erstklassiger Plattenpulver und unten raus mehr Sulz als Firn. Später meint Simon: „ Heut bin ich richtig stolz auf mich, ich bin noch nie weiter raufgegangen, wie ich runter fahren kann.“

Am Ostersonntag nehmen wir uns die Finailspitze vor. Diesmal bleiben die Wolken im Süden und wir dürfen einen traumhaften Tag genießen. Bei der Abfahrt schauen wir noch beim Ötzi vorbei. Es stellt sich die Frage, warum er hier gestorben ist. Simon hat dazu seine eigene Theorie: „ Vielleicht war des a so a Jugendleiter, der nia Pause macha wollt…“ Am frühen Nachmittag treffen wir in der Similaunhütte ein und nach einem Stärkungsbier packen wir zu dritt noch den Similaun an (Christoph schiebt lieber einen gemülichen Hüttennachmittag, weil er eine große, offene Blase hatte). Martin und Simon haben eigentlich auch keine Lust mehr, aber es sind ja nur 600hm und die Vorstellung, man könnte weiter kommen als der andere, spornt eben an. Resultat ist, dass wir um 17:00 zu dritt auf dem Similaun stehen, da ja keiner aufgeben wollte und wir die beste Abfahrt der gesammten 4 Tage vor uns liegen haben. Was für ein Genuss!

Ostermontag: Nach einem schnellen Frühstück fahren wir von 3019m ab zum Auto, da bereits die nächsten Termine zu hause warten. (Es ist Schnapstag und noch in Vent telefonieren Martin und Christoph wegen einer Fahrgelegenheit, man könnte ja was versäumen) Alles in allem waren es vier wunderschöne, verletzungsfreihe Tourentage.

Ich freu mich schon auf die kommende Saison! Euer Markus

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