Gewaltige Gemeinschaftsleistung wurde zum Publikumsmagnet

Artikel aus der Tegernseer Zeitung vom 10.02.2004.


Die Tegernseer Hütte zwischen Roß- und Buchstein feiert heuer ihr 100-jähriges Bestehen. Foto: privat

VON GABI BEILHACK

Kreuth - Leicht zugänglich und doch hochalpin: Diese reizvolle Lage der Tegernseer Hütte ist es, die das Bergdomizil zwischen Ross- und Buchstein so überaus beliebt macht. Davon ist Martin Motzet, seit 1988 Hüttenreferent der Alpenvereins-Sekti-on Tegernsee, überzeugt. Gemeinsam mit seinen Sektions-Kollegen kann er heuer ein ganz besonderes Jubiläum feiern: Im Jahr 2004 jährt sich die Einweihung der ersten Hütte auf dem ross- und Buchstein zum 100. Mal.

Seit Motzet das Amt des Hüttenwarts übernommen hat, ist viel geschehen. Die sektionseigene Hütte sei in den vergangenen Jahren praktisch vollkommen renoviert worden, erzählt der Kreuther. Neben der Modernisierung der Materialseilbahn, dem Anbau einer kleinen Terrasse und anderen Renovierungs-Maßnahmen war vor allem der schrittweise Bau der Photovoltaik-Anlage (ab 1988/89) ein Meilenstein für das Berghaus: Seitdem ist die Versorgung mit Strom gesichert, was nicht nur die Beleuchtung (vormals mit Gas) und die Arbeit in der Küche erleichtere. Mit dem Strom, so Motzet, werde auch eine UV-Anlage betrieben, mit der das Regenwasser am Berg keimfrei und genießbar gemacht werde.

Je nachdem, wie nah die Bergsteiger zusammenrückten, verfüge die Tegernseer Hütte im Inneren über knapp 40 Plätze und 35 Lagerplätze zum Schlafen, berichtet der Referent. Nicht selten drängen sich - vor allem am Wochenende - die Besuchermassen in und um das Berghaus, was vor allem den Hüttenwirten Sylvia und Michael Ludwig zugute kommt, die die Gaststätte in 1640 Metern Höhe seit 1994 bewirtschaften. Sie sind die Nachfolger von Sepp Strobl, der laut Motzet „über 30 Jahre droben war".

Weitere wichtige Eckdaten in der Geschichte der Tegernseer Hütte sind etwa der 15. März 1903, als das Kreuther Forstamt der Sektion Tegernsee die Erlaubnis zum Hüttenbau erteilte, oder der 14. August 1904, als die erste Hütte, die über einen kleinen Aufenthaltsraum und einen Schlafraum für acht Personen verfügte, feierlich eröffnet wurde. Damals war es eine „nur von Mitgliedern zu benutzende Unterstandshütte" , wie es in der Chronik des Berghauses heißt. Dabei sollte es nicht bleiben: Am 8. September 1912 wurde der Neubau einer zeitgemäßeren, größeren Hütte mit etwa 45 Quadratmetern Fläche beschlossen, und bereits am 26. Oktober 1913 konnte die feierliche Eröffnung dieser neuen Tegernseer Hütte stattfinden. Trotz finanzieller und baulicher Schwierigkeiten wurde 1934 ein unterkellerter Anbau für ein großes Gastzimmer an der Westseite erstellt, und auch die folgenden Jahre brachten weitere Verbesserungen „mit Keller, Speis' und Dachschlafraum", wie aus der Chronik hervorgeht. „Das Jahr 1938 markierte endlich den Abschluss aller Baumaßnahmen."

Bauwerk fiel Blitz zum Opfer

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der das Hüttenleben stark einschränkte, und den Wirren der Nachkriegs- jahre wurde die Versorgung weiter verbessert, ehe der 10. Mai 1965 zum Schicksalstag für die Tegernseer Hütte wurde: Über dem Ross- und Buchstein entlud sich ein Gewitter, ein Blitz schlug in das Berghaus ein und verursachte einen Brand, dem das gesamte Bauwerk zum Opfer fiel. „Beharrlichkeit und beispiellose Zusammenarbeit ergaben, dass die neu erbaute Hütte schon am 27. August 1967 wieder eingeweiht werden konnte", schreibt Sepp Fischhaber. Gleichzeitig wurde der Bau einer Materialseilbahn von der Schwarzen Tenn herauf realisiert. „Am Grundstock der Hütte hat sich seitdem nichts mehr geändert", erzählt Motzet.