Berggeist 2009

Bergzwergerl unterwegs

Also, wenn man noch nie dabei war, dann kann man es sich wirklich gar nicht vorstellen, wie das so ist, wenn sich eine ganze Meute kleiner Bergzwergerl mit zugehörigen Serviceteams auf den Weg macht. Und deswegen erzählen wir Euch das jetzt mal von Anfang an:

Zuerst kommt ein Auto auf einem Parkplatz an (leider meistens nicht das der Familiengruppenleiter...), die Türen öffnen sich und die Familienkutsche spuckt aus, was bei so einer Bergzwergerltour alles dabei ist: Zwerge, Rucksäcke, Papas, Kraxen, Sonnencreme, Matschhosen, Mamas, Spielzeug, den Stock vom letzten Mal, Brotzeitdosen, Schuhe, Kuscheltiere - was man halt alles so braucht. Dann dauert es immer etwas und der Vorgang wiederholt sich noch ungefähr drei- bis siebenmal (bis auch die Leitung anwesend ist) und ehrlich - der Parkplatz ist danach kaum mehr wiederzuerkennen.

Wenn sich irgendwann wieder so ein bisschen Ordnung eingestellt hat, Kinder und Eltern angezogen und die meisten Sachen gepackt sind, die Lilli getröstet worden ist, weil sie schon einen Sturz hingelegt hat, der Benni eine frühe Breze reinschiebt und der Johannes die ersten Tiere und Pflanzen gesichtet und identifiziert hat, dann schauen wir unsere Karte an und überlegen erstmal, was wir denn heute alles machen und sehen werden und wo es überhaupt hingeht. Dazwischen hat die Lia zwar schon wieder Durst gehabt und der Kilian den Korbinian am Kappi gezogen, woraufhin der sich natürlich kräftig revanchieren musste, aber das sei nur am Rande erwähnt.

So, dann gehen wir aber los, oder zumindest werden jetzt die letzten Diskussionen beendet, ob der Bastian jetzt wirklich schon so müde Füße hat, dass er gar nicht mehr selber gehen kann oder ob er es wenigstens auf den ersten Metern noch selber versuchen könnte... Unterwegs läuft eigentlich alles prima, abgesehen davon, dass sich unsere Gruppe ungefähr drei Kilometer auseinanderzieht, weil die Carlotta mit der Magdalena vorne weg saust und der Bastian ganz hinten in jeder Baumhöhle nachschauen muss, wo denn die Trolle wohl ihr Wohnzimmer haben, und dafür braucht man schließlich Zeit.

Was eigentlich auch jedesmal passiert, ist Folgendes: Mehrere Wanderer gesetzteren Alters mit vorschriftsmäßig sitzenden Kniebundhosen und dem Ernst der Bergwanderung angemessenem Gesichtsausdruck überholen uns und verkünden dabei: „Ohh, ist der kleine Mann aber tapfer, ja so toll macht der das, obwohl er noch so klein ist, ohh das ist aber schön...” Die Serviceteams ignorieren den Tonfall, nicken stolz und verschweigen demonstrativ, dass die tapferen kleinen Bergsteiger gerade eine Wochenration Gummibärli verschlungen haben, um zum Weitergehen bewegt zu werden. Nach vielen weiteren Päuschen und Pausen, Brotzeiten, Trinkstopps, Spielen und dringenden Unterbrechungen („Mein Hosenbein ist ganz nass!”, „Der Rucksack ist sooo schwer!”, „Schau mal, was ich gefunden habe!”, „Ich habe rot-weiß als erster gesehen!“) gelangen wir irgendwann an unser Ziel und da finden wir dann immer erstaunlich schnell einen Platz für unsere Mannschaft von hungrigen, durstigen und müden Bergsteigern, die sich lautstark bemerkbar macht und ausbreitet - manche Mitwanderer räumen da sogar freiwillig ziemlich schnell das Feld...

Runterwärts geht es ziemlich ebenso, abgesehen davon, dass die Stolper- und Sturzrate ganz schön ansteigen kann. Irgendwann hat uns dann auch der Parkplatz wieder und das ganze bunte Chaos verschwindet wieder in den Autos bis zu nächsten Tour.

Auf welchem Berg wir waren? Könnte so ziemlich jeder unserer Ausflüge gewesen sein, aber das ist unseren Bergzwergen eigentlich auch vollkommen egal. Gar nicht egal ist ihnen dafür, dass wir alle zusammen unterwegs waren, auf Baumstämmen balanciert sind, Schafe gesehen, Schätze entdeckt, Staudämme gebaut haben oder auf einer echten Burg waren. Und irgendwie haben wir ja auch den Verdacht, dass diese vorübergehenden Schwächeanfälle, die nur durch sofortigen Gummibärli-Nachschub behoben werden können, vielleicht auch auf geschickter Täuschung beruhen könnten: Wie sollte man sonst nach der Tour am Parkplatz die Fragen „Und was machen wir jetzt? Gehen wir Inline-Skaten?“, bzw. „Wann machen wir wieder was mit den Bergzwergerln?“ verstehen?

Wenn man also wirklich noch nie dabei war und sich das alles gar nicht vorstellen kann, dann sollte man unbedingt mal mitgehen und es sich „in echt fei“ anschauen - bevorzugt Familien mit Bergzwergen jeder Größenordnung, aber auch alle andern sind natürlich herzlich willkommen.

Wir freuen uns darauf!

Tina und Markus Weber

 

Gruppen: